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DIN EN 1090-2, Anhang B

Welche Toleranzen gelten bei der Montage?

Auf der Baustelle gelten andere Grenzwerte als in der Werkstatt. Die meisten Streitfälle entstehen, weil beides vermischt wird.

Zwei Arten von Toleranzen

Die DIN EN 1090-2 unterscheidet im Anhang B zwischen:

  • Wesentlichen Toleranzen — sie betreffen die Standsicherheit und Tragfähigkeit des Bauwerks. Sie sind einzuhalten, Punkt. Werden sie überschritten, ist eine statische Bewertung nötig.
  • Funktionsbedingten Toleranzen — sie betreffen Aussehen und Passgenauigkeit, etwa für den Anschluss der Fassade. Hier gibt es zwei Klassen (Klasse 1 und die strengere Klasse 2); ohne Festlegung gilt Klasse 1.

Werkstatt ist nicht Baustelle

Ein in der Werkstatt maßhaltig gefertigtes Bauteil kann auf der Baustelle trotzdem außerhalb der Toleranz stehen — weil Fundamente abweichen, weil sich das Bauwerk setzt, weil Temperatur und Eigengewicht wirken. Deshalb gibt es getrennte Toleranzwerte für Herstellung und Montage. Wer beide vermischt, streitet später.

Typische Montagetoleranzen

Geregelt werden unter anderem:

  • Lage der Stützenachsen gegenüber der Bezugsachse
  • Lotabweichung von Stützen — je Geschoss und über die Gesamthöhe
  • Höhenlage von Auflagern und Trägeroberkanten
  • Ebenheit von Auflagerflächen
  • Abweichungen an Fundamenten und Ankerschrauben

Die konkreten Grenzwerte hängen von Bauteilart, Abmessung und Ausführungsklasse ab — die Norm arbeitet überwiegend mit Formeln in Abhängigkeit von Höhe oder Länge, nicht mit festen Millimeterwerten.

Wo es in der Praxis knallt

  • Fundamente: Sie sind die häufigste Fehlerquelle. Wenn die Ankerschrauben schon danebenstehen, hilft die beste Stahlkonstruktion nicht. Ein Aufmaß vor der Fertigung spart viel Ärger.
  • Anschluss ans Bestandsgebäude: Der Bestand hält selten Neubautoleranzen ein. Hier braucht es Justiermöglichkeiten — Langlöcher, Futterbleche, verstellbare Auflager.
  • Fassadenanschluss: Wer eine Glasfassade anhängt, braucht Klasse 2 — das muss vorher vereinbart und bepreist sein.
  • Messzeitpunkt: Vor oder nach dem Aufbringen des Eigengewichts? Bei Temperaturen von 5 °C oder 30 °C? Das gehört in die Vereinbarung.

Wie wir damit umgehen

Wir nennen die maßgeblichen Toleranzen im Angebot — bevor gebaut wird, nicht, wenn schon montiert ist. Wo es sinnvoll ist, planen wir Justiermöglichkeiten ein, und bei kritischen Anschlüssen nehmen wir vor der Fertigung Aufmaß vor Ort. Das kostet einen halben Tag und spart im Zweifel eine ganze Nacharbeit.

Mehr zu den Ausführungsklassen →   Mehr zu Toleranzen bei Schweißbaugruppen →

Diese Seite ist eine allgemeine Erläuterung und ersetzt weder den Normentext noch eine Fachplanung. Maßgeblich ist immer die gültige Fassung der Norm.

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Wir klären Norm, Klasse und Toleranz, bevor gefertigt wird — im Angebot, nicht hinterher.

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